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Früher war ganz bestimmt nicht alles besser. Aber beim Betrachten alter Fotos kann ich mich des Gedankens nicht erwehren, dass die Leute früher einfach mehr Stil hatten. Eine Ära, der ich schon seit langem verfallen bin, ist das England der 1940er Jahre – Narnia lässt grüßen! (An dieser Stelle möchte ich auch meine aktuelle Lieblings-Youtuberin erwähnen: Hannah von realvintagedollhouse macht stylische, tiefgründige, witzige Videos zu „vintage inspiriertem“ Stil, Geschichte, Tierschutz, dem aktuellen Status der Welt… Absolut empfehlenswert!)
Nun habe ich das große Glück, einen Mann zu haben, der diese Faszination teilt – nicht auf dem selben Level wie ich, aber lässt er mich spinnen (mein erster Freund fand meine alte Ledertasche tatsächlich „peinlich“ – die Red Flags waren definitiv da!) Und dieser wunderbare Mann wünschte sich einen Pullover, wie ihn die Angehörigen der britischen Marine im 2. Weltkrieg trugen – allerdings nicht in marineblau oder weiß, sondern in seiner Lieblingsfarbe Olivgrün (dazu später mehr).


Das Strickmuster fand ich bei der wunderbaren Sue von Fab40s. Sie hat ein breites Angebot an historischen Strickmustern. Bestellt wird per Mail, nach Überweisung des Betrags von 1,50 £ (das ist nur minimal mehr in Euro!) pro Muster kommt auch schon die Mail mit der Anleitung. Ich hatte mich auf Schlimmes gefasst gemacht, schließlich hatte meine Mutter mir immer Horrorgeschichten von französischen Strickanleitungen erzählt. Vom Verständnis her gab es keine Fragen, jedoch fiel mir auf, dass auf den Bildern von Pullover und Pullunder, angeblich beide mit „knit and purl“ (eins rechts, eins links) gestrickt, wohl leicht unterschiedliche Muster verwendet worden waren. Also experimentierte ich ein wenig herum und kam dann für mich auf 3 rechts, 1 links, und in der Rückreihe wieder 3 rechts, 1 links – allerdings versetzt. Ich hoffe, durch das Bild wird es deutlich (hier müsst Ihr Euch vorstellen, das Muster würde in Runden gestrickt). Vom Prinzip her braucht man eine durch 4 teilbare Maschenzahl plus 1 Masche. Die Randmasche erscheint auf der rechten Seite immer als linke Masche. Die zweite und vierte Masche erscheinen in den ungeraden Reihen rechts, in den geraden links. Die dritte Masche erscheint immer rechts. Abgeschlossen wird das Muster dann wieder mit einer linken Masche (die eine zusätzliche). Muster-Problem gelöst.

Doch bevor ich soweit überhaupt kommen konnte, stand die schier unlösbare Aufgabe an, ein meinen Ansprüchen genügendes Garn in einer dem Mann genehmen Farbe zu finden. (Seither entwickle ich in meinem Kopf ein Exposé für eine Romanserie namens 100 Shades of Olive!) Fündig wurden wir bei Wasserwolle. Die Betreiberin hat wie ich ein Faible für britische Ganseys und hat ein breites Angebot von Wolle von der Insel. Mittlerweile vertreibt sie unter dem Namen „Dreizack-Wolle“ auch ihr eigenes Gansey-Garn von deutschen Schafen in von der deutschen Küste inspirierten Farben. Wenn ich mich hier für meine Lieblingsfarbe (Rotsporn? Bernstein? Sanddorn?) entscheiden könnte, hätte ich mir da sicher schon etwas bestellt! Der Mann entschied sich für Frangipani Olive. Ich wusste nicht, dass es so viele unterschiedliche Oliv-Töne gibt (und dass das auch so einen Unterscheid macht!) Eine liebe Insta-Followerin nannte die Farbe „männerbunt“ – ich liebe das Wort!
Die Anleitung kennt nur eine Größe. Mir war klar, dass der durchschnittliche britische Soldat im 2. Weltkrieg etwas schlanker war als mein Mann und ich die Größe ohnehin umrechnen musste. So entschied ich mich dann auch für dünnere Nadeln um dem Strick mehr Festigkeit zu geben. Als Größenvorlage diente mir ein gut sitzender Pullover meines Mannes. So diente das Strickmuster mir lediglich als Inspiration. Und es bestärkte mich in meiner Meinung, dass die Strickerinnen früher einfach geübter waren – sie brauchten keine über QR-Code abrufbare Videoanleitung, ihnen genügten ein paar grundlegende Anweisungen. Schlussendlich, im Licht sich zuspitzender Konflikte in der Welt, verstehe ich es auch als Warnung. Wir haben unseren Frieden und unsere Demokratie zu lange als etwas selbstverständliches betrachtet – jetzt ist es an der Zeit, sich dafür einzusetzen! Und darum, auch als Gegenpol zum vielen „männerbunt“ hier noch ein Bild von mir und meiner -fast auch schon vintage inspirierten- Pussyhat (aus von mir handgesponnenem Garn aus einem handgefärbten Kammzug von Wasserwolle!)

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