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Eine Sache, die ich am Leben in Bayern wirklich liebe, ist die „stade Zeit“ zwischen den Jahren. Von Weihnachten bis Dreikönig beschränkt sich das öffentliche Leben auf das Nötigste – die Kinder haben sowieso schulfrei und im Arbeitsumfeld wird auch davon ausgegangen, dass kaum jemand da ist. (Pro Tipp: an diesen Tagen kann man im Büro tatsächlich äußerst produktiv arbeiten!)
Auch die Rauhnächte haben hier traditionell noch eine große Bedeutung bzw. scheinen in den letzten Jahren wieder in den Mainstream zu rücken. Von daher freute ich mich natürlich besonders über den Faserkalender von Frau Wöllfchen und die Option, ihn als Adventskalender oder für die Rauhnächte (oder natürlich jeden anderen beliebigen Zeitpunkt) zu verwenden. In dem Wissen, dass ich im Advent ohnehin nicht die nötige Ruhe finden würde, aber natürlich getrieben von Neugier fasste ich den Plan, die Pakete an den Adventssonntagen zu öffnen und in den Rauhnächten zu spinnen.

Aber die kleine Stimme in meinem Hinterkopf warnte mich, dass Spinnen und Rauhnächte zusammen vielleicht keine gute Idee seien. (Tatsächlich war traditionell alles, was mit kreisenden Bewegungen verbunden war, verboten und Spinnräder sollten sogar weggeräumt werden!) Und ich musste an meine Großmutter denken, als meine Schwester und ich einmal am 26. Dezember glücklich strickend auf dem Sofa saßen und sie entsetzt ausrief, am zweiten Weihnachtsfeiertag dürfe man doch nicht stricken. Eine andere Rauhnacht-Regel setze ich in meinem Haushalt seit ein paar Jahren eisern um: es wird keine Wäsche gewaschen. Weniger, weil ich Angst vor bösen Geistern habe, die sich darin verfangen könnten, sondern weil ich in dieser Zeit keine vermeidbare Hausarbeit erledigen möchte, keinen Wäscheständer im Weihnachtszimmer stehen haben möchte und in der schul- und arbeitsfreien Zeit ohnehin weniger Schmutzwäsche anfällt. Und wenn der Lieblingspulli dreckig ist, müssen sie halt mal warten…
So ähnlich interpretiere ich auch die alten Regeln zum Spinnen und Stricken: das war früher Arbeit und indem die Religion sie verbot, verschaffte sie den Frauen so eine Pause. (Auch das Judentum verbietet übrigens am Shabbat und an wichtigen Feiertagen unter anderem das Spinnen, Nähen, Weben und Knüpfen von Knoten, vermutlich aus ähnlichem Grund. Bei meiner Großmutter war es halt sonntags nicht erlaubt.) Solange diese Tätigkeiten mir nichts als Freude bereiten, werde ich sie ohne Angst vor der wilden Jagd ausführen und mich ganz sicher nicht stressen lassen – der Mann weiß, dass der männerbunte Pullover nicht zu seinem Geburtstag fertig werden wird. Statt dessen werde ich wieder, wie schon in den Jahren davor, mein Social Media Leben herunterfahren. Das würde ich nicht direkt als „Arbeit“ bezeichnen, weil die Community auf Instagram mir ja auch wirklich Spaß macht, aber ich merke schon, wieviel Zeit damit drauf geht. Also werden die Apps kurz vor Heiligabend deinstalliert und in ein weitgehend analoges Leben zurückkehren. Ich freue mich darauf! Urlaubsbedingt werde ich sogar morgens spinnen können – das heißt dann aber nicht Kummer und Sorgen, sondern Zeit für mich!
Und daher gibt es jetzt auch keinen Jahresrückblick mehr sondern einfach die allerbesten Wünsche für eine schöne Zeit – ganz egal, welche Feiertage Ihr feiert und an welche Regeln Ihr Euch haltet! Tut das, was Euch gut tut und lasst Euch nicht stressen.



