Stricken für Sternenkinder und Frühchen

(unbezahlte Werbung da Markennennung)

Meine Schwester und ich haben eine „Tradition“: die Ankunft eines neuen Erdenbürgers wird der zukünftigen Tante durch Zusenden einen Baby-Strickzeitschrift mitgeteilt. Was gibt es schöneres, als die allerweichste Wolle und das allerschönste Strickmuster auszusuchen und dann voller Vorfreude auf das neue Menschenkind zu stricken, während man das Baby noch wohlbehalten im Mutterleib weiß? Sowohl für meine eigenen als auch für andere Kinder habe ich das immer geliebt.

Manchmal endet eine Schwangerschaft jedoch nicht wie erhofft. In Deutschland kommen heute sechs Prozent der Neugeborenen als Frühchen auf die Welt (vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche) und 0,4 Prozent der Schwangerschaften enden mit dem Tod des Neugeborenen (hier werden nur die Fälle gezählt, in denen das Kind mindestens 500 Gramm wiegt oder die Schwangerschaft mindestens bis zur 24. Woche bestand – die Zahl der Fehlgeburten liebt ungleich viel höher). Das sind Erfahrungen, die ich zum Glück nie machen musste. Doch jeder empathische Mensch wird mitfühlen können, welch enorme psychische Belastung dies für die betroffenenFamilien bedeuten muss. Im einen Fall geht man vielleicht morgens noch von einer glücklichen, nach Plan verlaufenden Schwangerschaft aus und bangt abends um das Leben und die Entwicklungschancen eines Frühgeborenen. Im anderen Fall muss man der traurigen Wahrheit ins Auge sehen, dass das Leben das Kindes zu Ende ist, bevor es begonnen hat. In diesen emotionalen Ausnahmezustand hinein kommen nun organisatorische und rechtliche Herausforderungen: welche medizinischen Eingriffe wollen wir? Wer betreut eventuell vorhandene Geschwisterkinder? Wie soll das Sternenkind bestattet werden?

Mir ist aufgefallen, dass Frühcheneltern einen großen Bedarf haben, über diese dramatische Zeit zu sprechen. Meiner Erfahrung nach sind sie auch Jahre nach der Geburt noch dankbar, wenn sie über die Zeit auf der Frühchenstation und ihre kleinen Kämpfer sprechen können.

Hier also mein Rat Nummer 1: habt ein offenes Ohr, hört ihnen zu, nehmt ihre Erfahrungen ernst, freut Euch mit ihnen über jeden Entwicklungsschritt des Kindes. Verkneift Euch Plattitüden wie „das hat die Natur so eingerichtet“ oder ähnliches.

Und mein Rat Nummer 2: Als Stricker*in kann man diesen Familien helfen! Eine befreundete Frühchenmutter zeigte mir einmal eine Kiste mit Erinnerungsstücken: Fotos ihrer kleinen Heldin, als sie maximal so groß war wie die Hand ihres Papas, eine Sonde, mit der das Kind ernährt wurde, und eben auch ein gestricktes Set, bestehend aus Mütze und Söckchen. Das Set war ihr von der Klinik zur Verfügung gestellt worden. Besonders begeistert war sie von der „mitwachsenden“ Mütze – dank Rippmuster passte sie mit aufgerolltem Rand dem in der 28. Woche geborenen Frühchen, ohne Aufrollen passte sie auch noch nach dem ursprünglich errechneten Geburtstermin.

Der Materialaufwand für diese Sets ist wirklich nicht hoch (unter 50 gr Sockenwolle), daher eignen sie sich auch wunderbar zur Resteverwertung. Aber Achtung: für die Frühchen sollte nur waschbares Garn mit Ökotex Standard 100 verwendet werden. Viele Hersteller von Sockenwolle erfüllen diesen Standard – achtet also gleich beim Kauf darauf, dann könnt Ihr die Reste für die Frühchen verwenden. Meine Mutter hat immer schon auf die Sockenwolle von Regia geschworen, daher habe ich bislang alle meine Socken nach deren Anleitung gestrickt und orientiere mich auch beim Stricken für Frühchen an der Anleitung von Regia:

Anleitung

Mütze

88 Maschen anschlagen (20-24-20-24) und mindestens 15 cm hoch im Rippenmuster (zwei rechts, zwei links) stricken, dann wird abgenommen:

In jeder Abnehmrunde verteilt insgesamt 8 Maschen zusammenstricken wie sie erscheinen (rechte und linke Masche werden als rechte Maschen zusammengestrickt). Nach der ersten Abnehmrunde drei Runden die Maschen stricken wie sie erscheinen, nach der zweiten zwei, nach der dritten und vierte je eine Runde und ab der fünften Runde wird in jeder Reihe abgenommen. Sobald nur noch 2 Maschen auf jeder Nadel sind, wird der Strickfaden doppelt durch die verbleibenden Maschen gezogen und der Faden durch die verbleibende Schlaufe gezogen. Faden abschneiden, vernähen, fertig!

Söckchen

Schaft

Anschlag 36 Maschen (8-8-8-12), 7 cm Schaft im Rippenmuster (zwei rechts, zwei links) stricken. Eine Reihe mit Knopflöchern fürs spätere Durchfädeln der Schnur: *vier Maschen stricken wie sie erschein, ein Umschlag, 2 M zusammenstricken, ab * wiederholen bis die Reihe fertig ist (insgesamt 6 Löcher). Noch einen cm im Rippenmuster draufstricken, jetzt auf nebeneinanderliegende Nadeln, ich habe halt gerne den Faden vom Anschlag hinten) kommen auf eine Nadel und bilden die Ferse.

Ferse und Fersenkäppchen

Die Ferse wird in 18 Reihen glatt rechts hochgestrickt. Fürs Fersenkäppchen wird diese Maschenzahl gedrittelt: 6-6-6 (gerne mit Hilfsfaden markieren). In der 19. Reihe beginnt das Fersenkäppchen: 11 Maschen glatt rechts stricken, Maschen 12 und 13 überzogen zusammenstricken (12 abheben, 13 stricken, 12 über 13 heben). *Arbeit wenden, erste Masche abheben, vier Maschen links stricken, 2 Maschen links zusammenstricken. Arbeit wenden, erste Masche abheben, 4 Maschen rechts, 2 Maschen überzogen zusammenstricken. Ab * wiederholen bis sechs Maschen auf der Nadel sind. Wenden, die sechs Maschen rechts stricken, aus der ersten Seite der Ferse 9 Maschen aufnehmen und verdreht abstricken (neue Nadel 1). Nadeln 2 und 3 glatt rechts stricken, für die 4. Nadel aus der anderen Fersenseite 9 Maschen aufnehmen und verdreht abstricken. Die sechs Maschen des Fersenkäppchens gleichmäßig auf Nadel 1 und 4 verteilen: je 12 Maschen auf Nadeln 1 und 4 und 9 Maschen auf Nadeln 2 und 3.

Abnehmen für den Spann

*1. Nadel vorletzte und vorvorletzte Masche rechts zusammen, 4. Nadel 2. Masche abheben, 3 Masche rechts, 2. Masche überziehen. Zwei Reihen glatt rechts, ab * zwei Mal wiederholen bis die sechs Maschen des Fersenkäppchens abgenommen sind. Glatt rechts weiter bis der Fuß (inkl. Ferse) ca. fünf cm lang ist.

Abnehmen für die Spitze

1. und 3. Nadel vorvorletzte und vorletzte Masche zusammenstricken, 2. und 4. Nadel zweite und dritte Masche rechts verdreht zusammenstricken. Nach der ersten Abnehmrunde drei Reihen draufstricken, nach der zweiten zwei Reihen, nach der dritte eine und dann wird in jeder Reihe abgenommen. Sobald nur noch insgesamt acht Maschen da sind (zwei auf jeder Nadel) wird der Faden doppelt durch alle verbleibenden Maschen gezogen und dann durch die verbleibende Schlaufe gezogen. Insgesamt sollte eine Fußlänge von ca. 9 cm erreicht sein. Der Faden wird abgeschnitten und vernäht und fertig ist das erste Söckchen. Das zweite Söckchen wird genau so gestrickt.

Schnur

Nun braucht jedes Söckchen noch eine mit der Strickliesel gestrickte Schnur von ca 25 cm. Diese wird durch die Löcher im Schaft gefädelt und verhindert das Runterrutschen der Socken.

Vielleicht erscheinen Euch die fertigen Söckchen jetzt recht groß und Ihr fragt Euch, warum man sie nicht kleiner stricken und auf das Band zum Zubinden verzichten kann – tatsächlich habe ich so auch schon Socken für Neugeborene gestrickt. Frühchen haben aber oft an den Füßen noch irgendwelche Schläuche und die sollen selbstverständlich auch Platz finden. Außerdem passen die Socken so hoffentlich schön lang.

Initiativen

Ihr könnt natürlich in der Geburts- oder Frühchenstation Eures lokalen Krankenhauses nachfragen, ob die Spenden annehmen. Oder Ihr strickt, häkelt, näht für eine der zahlreichen Initiativen – erkundigt Euch aber vorher nach dem Bedarf und den Voraussetzungen!

Ich habe Euch hier (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) eine kleine Übersicht angelegt mit Organisationen, die zur Zeit gestrickte oder gehäkelte Sachspenden annehmen:

Die Helfeelfen nähen Spezialkleidung und Hilfsmittel für Sondenkinder, Dialysekinder, CI-Kinder,Frühchen, Diabetiker Kinder, herzkranke Kinder, Sternenkinder sowie Herzen zur Druckschmerzlinderung für Frauen mit Brustkrebs und Nesteldecken für Demenzkranke. Sie nehmen unter anderem Mützen und Socken für Frühchen an.

Die Miniherzchen nehmen zur Zeit nur Socken ab einer Fußgröße von 5 cm an. Die Sockenwolle darf kein Polyamid enthalten (Achtung! Die von mir bevorzugte Sockenwolle von Regia enthält 25% Polyamid, sie ist also hierfür nicht geeignet!) und muss bei 60 Grad waschbar sein. Sie bitten bei Sockenspenden um eine Kopie der Banderole, damit die Zusammensetzung deklariert werden kann.

Frühchen haben einen stark ausgeprägten Greifreflex und ziehen gern an Kabeln, Magensonden und Schläuchen. Das Neuanlegen ist schmerzhaft und risikoreich. Liegt ein gehäkelter Oktopus in der Nähe, halten sich die Frühchen hingegen an den Tentakeln fest und ziehen seltener an den Schläuchen. Die Oktopusse werden mit Informationszetteln den Kliniken zur Verfügung gestellt und dort den Frühcheneltern angeboten. Die Organisation legt großen Wert auf ihre Sicherheitsvorschriften, eine Liste mit zugelassenem Material und eine Häkelanleitung finden sich zum Download auf der Webseite. Dort können auch Okti-Starterpakete bestellt werden.

Die Gruppe näht, strickt, bastelt, häkelt für Frühchen und Sternenkinder. Die Hilfe wird in einer Facebook-Gruppe organisiert.

Darüberhinaus gibt es zahlreiche lokale Gruppen und Vereine oder Initiativen, die z.B. Genähtes annehmen. Macht Euch schlau, was es in Eurer Gegend gibt. Oder habt Ihr vielleicht Lust, selbst eine Gruppe zu gründen? Was sind Eure Erfahrungen mit „Charity-Stricken“?

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