Pullover für kalte Tage

Sabine Domnick (2004): Pullover für kalte Tage. Traditionelle Strickmuster neu entdeckt. Urania. ISBN: 978-3332015485 (leider vergriffen)

Buchtitel Pullover für kalte Tage

Es ist keine Übertreibung wenn ich sage, dass dieses Buch mein Stricken verändert hat. Zum ersten Mal hielt ich als Studentin in der Stadtbibliothek in den Händen, kaufte Wolle im Karstadt und strickte meinen ersten britischen Fischerpullover. Das „Geheimnis“ dieser Pullover ist, dass sie aus einem Stück bestehen. Erst wird vom Saum bis zum Ärmelansatz schlauchförmig hochgestrickt, dann folgt die Zu- oder Abnahme für die Ärmel. Brust und oberer Rücken werden in Reihen gestrickt und an den Schultern zusammengefügt. Dann werden aus den Randmaschen von Brust und Rücken die Maschen für die Ärmel aufgenommen und jeweils bis zu den Handgelenken gestrickt. Das nervige Vernähen am Ende fällt damit weg, allerdings schleppt man irgendwann ein ziemlich großes Strickstück mit sich herum, für Bahnreisen also nur bedingt zu empfehlen. Aber dazu kann man ja mehrere Strickprojekte parallel laufen lassen. Ich finde diese Grundkonstruktion so genial, dass seither alle meine selbst entworfenen Pullover darauf basieren. 

Inhalt

Sabine Domnick erzählt die Geschichte der fein gestrickten Jerseys und der groberen Guerneys (das Wort hat sich in England zu Gansey und in Schottland zu Gansy verballhornt). Sie erklärt die Konstruktion des ohne Naht rundgestrickten Kleidungsstücks: „Never sew when you can knit!“ und gibt hilfreiche Tipps zur Ausführung. So kann beispielsweise die Passform durch die Entscheidung für einen Achselzwickel oder einen Armausschnitt oder durch das Einfügen einer Schulterpasse noch während des Strickprozesses verändert werden. Alle Anleitungen sind dank Fotografien und ausführlichen Erklärungen sehr gut verständlich. Schön bebildert sind auch der Bilderstrickkurs und die insgesamt sieben Anleitungen für Pullover. Für mich am bedeutendsten sind jedoch die Mustersammlung (selbstverständlich auch bebildert und mit einer verständlichen Strickschrift „übersetzt“). So hat sich zumindest bei mir das Versprechen aus dem Vorwort bewahrt:

„So wie die Fischerfrauen von Großbritannien schon seit 200 Jahren mit flinken Nadeln kunstvoll warme Hüllen kreierten, so kann es – etwas Geduld und Ausdauer vorausgesetzt – auch Ihnen gelingen, ganz selbstständig gestaltete Pullover herzustellen. So gelangen Sie schließlich von der kopierten Handarbeit zum Kunstwerk. Und als Kunstwerk sind gute Fischerpullover wirklich einzuschätzen!“

Zielgruppe

Dank der Bilder ist das Buch auch für Anfänger, die sich zum ersten Mal an ein „großes“ Projekt wagen wollen, geeignet. Man muss wirklich nur rechte und linke Maschen beherrschen. Die Strickschrift ist natürlich auch denkbar einfach: leere Kästchen für rechte Maschen, Kästchen mit Punkt für linke Maschen. Durch das Rundstricken entfällt das Wenden, man hat also immer die „schöne“ Seite vorn. Das Prinzip des Rundstrickens lässt sich vorher ganz wunderbar an einem Paar Socken üben.

Verfügbarkeit

Das Buch ist schon lange vergriffen, aber auf Plattformen für gebrauchte Bücher (mittlerweile wieder zu akzeptablen Preisen) zu erwerben. Gebrauchte Bücher in einem guten Zustand sind oft für einen Bruchteil des Ladenpreises zu haben. Das schont Umwelt und Geldbeutel und freut Käufer und Verkäufer. 

Habt Ihr schonmal einen Pullover „am Stück“ gestrickt? Wie strickt Ihr lieber? Und wie kommt Ihr mit Zopfmustern zurecht?

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