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Lange habe ich mich nur noch zum Flicken an die Nähmaschine gesetzt. Ich hatte ein paar negative Erfahrungen mit mittelguten Schnittmustern. Dazu kam eine allgemeine Unzufriedenheit mit meiner Figur. Allerdings umfasst mein Stoffvorrat immer noch eine Menge toller Stoffe, irgendwann mal „auf Vorrat“ gekauft. Einige davon passten hervorragend zum „Vintage Brit Chic“ der 1940er Jahre. Die Schnittmuster fand ich beim kleinen Kölner Schnittmusterlabel Lotte und Ludwig. Die Schnitte sind simpel, aber immer mit dem gewissen Extra. Sie sind wandelbar (Ärmel, Länge, Ausschnitt, Verschluss, Schwangerschaftsvariante…) und vielseitig. Alle Schnittmuster gibt es sowohl als Papiervariante als auch als Ebook. Besonderes Extra: Beim Kauf eines Papierschnittmusters erhält man auch einen QR-Code, um den Schnitt nochmal herunterzuladen. Praktisch für Haptiker wie mich, die trotzdem keine Lust auf Schnittmusterabpausen haben! Sämtliche Anleitungen kommen digital daher. Bei den Kleidern ist das Maßnehmen sehr einfach: die Größe richtet sich nach dem Brustumfang, in der Taille werden die Kleider mit Tunnelzug oder Bindegürtel (die aber für eine lockerere Passform auch weggelassen werden können) auf Form gebracht.
„Irenes Kleid“ hat einen relativ hohen Stoffverbrauch. Hier hatte ich zum Glück genug von einem Baumwollstoff aus blau-weißem Mini-Vichy-Karo. Das Kleid hat Wiener Nähte, wunderbar charmante Knopfschlingen (viel einfacher zu nähen als es aussieht), sehr pfiffige Tropfenausschnitte an den Ärmeln und eine optionale Bindeschleife. Die Anleitung ist sehr strukturiert und absolut nachvollziehbar. Die schimmernden graublauen Knöpfe hatte ich ebenfalls noch in meinem Fundus. Eine Overlockmaschine ist nicht zwingend nötig, erschien mir aber sehr hilfreich. Bislang liebste Kombination mit dem Kleid: rote Boots und eine rote Kaschmirstrickjacke. Die Victory-Farben blau, weiß, rot sind zusammen einfach großartig!

Ein weiterer Karo-Stoff bot sich für die Wintervariante des Schnittmusters „Midsommer“, also die „Wintersonnwende“ an (Achtung, die Ärmel-Erweiterung muss zusätzlich gekauft werden und kann nach dem Erwerb nur fünf Mal geöffnet werden – also besser gleich herunterladen!) Das Schnittmuster kann für vier verschiedene Kleider (Empire-, normale, tiefe Taille sowie eine Umstandsversion) jeweils mit oder ohne Ärmel, verschiedene Blusen, Shirts und Tops hergenommen werden. An Vielseitigkeit ist der Schnitt kaum zu überbieten! Ich habe mich für ein langärmeliges Kleid mit normaler Taille, Knopfleiste und einem schwarzen Band im Tunnelzug entschieden. Passend zum „Make Do and Mend“-Thema sind die Knöpfe ein wenig „missmatched“ – einfach braune Knöpfe von einigermaßen derselben Größe aus dem Fundus. Dieses wirklich sehr britisch wirkende Kleid habe ich bislang mit roten, beigen und schwarzen Oberteilen sowie braunen und durchsichtigen Strumpfhosen kombiniert. Besonders stolz bin ich auf meine Knopflöcher – obwohl mir die auch in der Vergangenheit schon gut gelungen sind, habe ich doch immer ein wenig Respekt davor, schließlich kann ein falsch genähtes Knopfloch das ganze Projekt verunstalten.

Nach zwei sehr gelungenen Kleidern traute ich mich endlich an die Hosen. Hier hatte ich mit Fertigschnitten immer sehr schlechte Erfahrungen gemacht (ich habe auch keine Standard-Figur) und nach mehreren Enttäuschungen ließ ich mir ein Schnittmuster von einer Maßschneiderin anfertigen. Für alle, die mit ihrer Figur hadern: bei Maßschnitten stehen übrigens keine Größen! Der Schnitt lag schon mindestens ein halbes Jahr in meinem Regal, ich habe mich einfach nicht getraut. Am Ende war es dann doch ganz einfach. Auch ohne Tutorial gelangen mir chice und gleichzeitig bequeme, Marlene-inspirierte Hosen aus blauem Breitcord (der war nicht in meinem Stofflager, den habe ich in meinem Lieblingsstoffgeschäft gefunden. Die Hosen kombiniere ich zur Zeit am liebsten mit meinem selbstgestrickten rosarot geringelten RVO-Shirt. Um die Hosen bin ich aktuell Woche sehr dankbar – obwohl wir schon sehr warme Tage hatten, war es mir doch in der Früh immer ein wenig zu kalt für die feinen Kleider. Lieber mümmele ich mich in die Hosen mit dem Komfort einer Jogginghose (doch stilistisch sehr überlegen!) und ziehe noch einen dicken Wollpullover sowie eine Mütze an.

Über die ganze Näherei habe ich leider das Spinnen ein wenig vernachlässigt. Das hole ich gerade auf, doch ein meiner Pipeline stehen noch Wollhosen und ein geblümtes Kleid für mich sowie eine Camouflage und eine Outdoor-Hose für meine Tochter (die Bogenschieß-Saison hat wieder begonnen!) Für mich selber arbeite ich an einer fast komplett selbst erstellten Capsule Wardrobe. Je mehr ich mich damit beschäftige, desto weniger Lust habe ich auf Kleidung von der Stange.



