Museumsspinnereien

(unbezahlte Werbung da Markennennung)

Ich wollte nie jemand werden, der immer am selben Ort Urlaub macht. Selber Ort, selber Bungalow, selbe Strandliege… Jetzt haben wir aber einen Ort im Nationalpark Thy in Nordjütland gefunden, in dem Urlaub für unsere Familie sehr gut funktioniert und zu dem wir daher gerne zurückkehren. Immerhin nicht im Bungalow sondern im eigenen Wohnwagen und Strandliegen gibt es dort auch nicht! Jetzt liegt der Urlaub schon wieder viel zu weit zurück und bis zum nächsten Mal dauert es auch noch zu lange, also schwelge ich gerne in Erinnerungen an das entschleunigte Leben dort, das weiche Licht, die direkte Nähe zur Natur…

Eine Sache, die ich an allen skandinavischen Ländern sehr schätze, ist ihre Museumspädagogik. Museen sind dort Orte des aktiven Mitmachens, Erfühlens und Verstehens. So war es dann auch das alte Spinnrad im Heimatmuseum von Nørre Vorupør, das mich letzten Sommer wieder zum Spinnen brachte…

Das Heimatmuseum ist eine Außenstelle des Museums Thy. Es ist im alten Haus und der Werkstatt eines Bootsbauers untergebracht. Ein kleiner Teil der Ausstellung dreht sich um die „Geschmäcker von Thy“, essbare Pflanzen, die Küche der Küstenregion geprägt haben (mein absoluter Favorit, der Sanddorn, bekommt langsam Konkurrenz vom Gagelstrauch!) im hinteren Teil geht es um die Geschichte des Fischerorts und um das bäuerliche Leben im frühen 20. Jahrhundert. Ich bin immer wieder beeindruckt, wie sich unsere Vorfahren noch vor wenigen Generationen selbst versorgen konnten. Sie brauchten keine Nachhaltigkeitszertifikate, um von und mit der Natur zu leben. Selbstversorgung war keine Option für Aussteiger, sondern schlicht und einfach eine Notwendigkeit. In der Museumsküche laden verschiedene Töpfe und Gerätschaften zum Rätseln und Ausprobieren ein. Verschiedene Getreidesorten, Kaffeebohnen in sämtlichen Stadien der Zubereitung, ein richtiges Waffel“eisen“ – und alles darf angefasst werden! Fern von sterilen Hochglanz-Fronten und Hightech-Geräten kommt sie meiner Traumküche sehr nah. Auch der Schuppen mit Vorratskammer, Schweinestall, Waschküche ist ein Traum aller DIYer und Selbstversorger.

Die alte Bootswerft zweigt das Handwerk des Bootsbauers und die Entwicklung der Fischerei und des Küstenschutzes. Auch hier kann ich nur ehrfürchtig staunen, was frühere Generationen mit aus heutiger Sicht minimalem Ressourcenaufwand leisten konnten. Fun fact: die Handschuhe der frühen Seenotretter waren aus Hunde- und Menschenhaar!

Und damit habe ich endlich den Bogen geschlagen zum aktuellen Lieblingsthema…

Im alten Haus des Bootsbauers steht unter anderem ein Spinnrad und liegen Stricknadeln und Wolle aus. Strickkundige können kleine Quadrate stricken, die dann später zu einer Decke zusammengenäht werden. (Ein kleines „Experiment“, das ich beim Sommerfest der Grundschule durchgeführt habe, lässt mich zweifeln, ob wir in Deutschland genügend Strickkundige finden würden!) Aus purer Neugierde setzte ich mich damals ans Spinnrad und versuchte, die lang verschüttete Fähigkeit wieder zu aktivieren. Ich gebe zu: es brauchte zwei Besuche, bis es so einigermaßen klappte. Und dann habe ich gleich beschlossen zu Hause weiter zu üben und ich tauchte tiefer ein in die Welt von Slow Fashion und Fibershed.

Daher stand das Museum auch in diesem Jahr auf meiner Liste! Und ich hatte so ein Glück, dass die wunderbare Signe an jenem Tag Dienst hatte. Sie freute sich, dass endlich mal wieder jemand das Spinnrad benutzte und ölte es nach meinen Angaben. Meine These, dass vom Spinnen eine große Faszination ausgeht, wurde von ihr und den wenigen anderen Besuchern, die an jenem Nachmittag da waren, bestätigt. Wie es der Zufall wollte, war darunter auch eine Dame, die früher in Dänemark und auf den Färöer Inseln in der Schafzucht gearbeitet hatte und selber viel strickt. Ich denke so gerne an unsere „Fachgespräche“ in einem Mix aus Deutsch, Englisch, Schwedisch und Dänisch zurück! Während meine Tochter in der „Lille Skibsværft“ ein kleines Boot zusammenzimmerte, spann ich nicht nur lokale Wolle zu Garn, sondern im übertragenen Sinne mit Signe auch an einem Handarbeitsprojekt fürs Museum. Ich bin selber gespannt, ob und was dabei herauskommt und kann es nicht erwarten, ihre „Pandekage“ zu probieren, denn die sollen auf jeden Fall auch Teil des Ganzen werden!

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