… hat wahrscheinlich schon im Kleinkindalter angefangen, denn seit ich denken kann, fand ich es faszinierend, wie aus Garn und Nadeln ganze Kleidungsstücke entstehen. Meine Großmutter mütterlicherseits war eine passionierte Strickerin – solange ihre Augen mitmachten, hatte sie eigentlich immer Strickzeug in der Hand. Meine Mutter hingegen strickte weniger, aber sie hat mir drei wichtige Dinge beigebracht: rechte Maschen, linke Maschen und (als Mathematikerin) die Zahlenmagie hinter den Strickmustern.


Witzigerweise kann ich mich nicht an den Moment erinnern, als ich Stricken gelernt habe, aber es wird wohl in den frühen 1990er Jahren gewesen sein. An das frustrierende Gefühl, dass scheinbar nichts voran geht, erinnere ich mich hingegen noch sehr gut! Wahrscheinlich endeten meine ersten Strickprojekte immer recht schnell als Teppiche oder Deckchen fürs Puppenhaus.
In der fünften Klasse nahm ich freiwillig an einer Handarbeits-AG teil – einmal die Woche gingen eine Freundin und ich nachmittags freiwillig in die Schule, wurden von den fußballspielenden Jungs auf dem Pausenhof ausgelacht und saßen dann mit einer älteren Lehrerin zwei Stunden im Biologielehrsaal und strickten und häkelten und ratschten dabei über Gott und die Welt. Hier hatte ich meine ersten Erfolgserlebnisse, nämlich dass meine Handarbeiten tatsächlich „wuchsen“ und irgendwann beendet waren. Leider war mir der ambitioniert begonnene Pullover im Norwegermuster zum Zeitpunkt seiner Fertigstellung scho zu klein und dann fielen bald die Motten darüber her. (Das Muster war norwegisch inspiriert, die Technik traditionell deutsch – Vorder- und Rückteil und die beiden Ärmel jeweils mit zwei langen Stricknadeln hin rechts und zurück links gestrickt! Spoiler: die linken Innenseiten mit Muster waren ziemlich doof zum Stricken!)



Ab dem Zeitpunkt jedoch „konnte“ ich stricken. Es folgten Pullover und Babyausstattung für meinen jüngsten Bruder. Irgendwann kam Sockenwolle mit Farbverlauf auf, daraus wurden dann Socken, Mützen, Schals… Der nächste „Schub“ kam mit Beginn des Studiums. Ich lernte die traditionellen britischen Fischerpullover kennen (noch heute meine absolute Lieblingstechnik) und strickte fleißig. Das erste Kind war in seinen ersten Lebensjahren ein dankbarer Abnehmer (bzw. konnte sich nicht erwehren). Dem zweiten Kind sind handgestrickte Sachen meist zu warm, aber dafür hat sie hat eine ganze Puppenfamilie und die Puppen können sich ja auch nicht wehren. Außerdem sind Puppenoutfits immer sehr schnell gestrickt und eignen sich hervorragend, um Muster auszuprobieren!





