beiges Hobby Horse mit Einhorn-Horn

Hobby Horse goes Unicorn

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An ihnen scheiden sich die Geister: Steckenpferde (nenn‘ sie nicht Steckenpferde!) mit kurzem Stecken, die (fast) alles machen können, was richtige Pferde auch können: Dressur, Vielseitigkeit, Springen, Kummerkasten… Klar, dass das ein paar Kritiker (überwiegend männlich übrigens) auf den Plan ruft. Doch allen Hobby-Horse-Verächtern auf dieser Welt sei gesagt: springt Ihr erstmal über diese Hindernisse oder versucht Euch halt mal im Hoppsa-Galopp!

Die relativ junge Sportart kommt aus Finnland, hat von dort ihren Siegeszug über Skandinavien angetreten und wird auch in Deutschland immer beliebter. Sie wird überwiegend von Mädchen und jungen Frauen ausgeübt. Als ehemaliges Pferdemädchen war für mich nach anfänglichem Fremdeln klar: richtig betrieben ist dieser Sport tatsächlich eine Herausforderung. Er fördert Konzentration, Geschicklichkeit und Ausdauer. Und da ich sehr wohl unterscheiden kann zwischen einem richtigen Pferd und einem Hobby Horse, weiß ich, dass Hobbyhorsing in vielen Fällen die preiswertere, zeitsparendere und wahrscheinlich auch tierfreundlichere Variante zum „richtigen“ Reitunterricht ist. (Erinnert sich außer mir noch jemand um die Debatten nach dem Skandal um die deutsche Reiterin bei den Olympischen Spielen in Tokyo?)

So lebt seit einer Weile ein (natürlich selbstgenähtes) Hobby Horse bei uns. Es handelt sich um eine Haflinger-Stute namens Bella. Bella hatte auch mal eine Knabstrupper-Freundin, doch die wurde an eine Freundin des Menschenmädchens verschenkt. Beide Pferde und ihre Halfter und Führstricke sind nach dem Buch „Mein Hobby Horse & ich. Nähen, Basteln, DIY rund ums Thema Steckenpferde“ von Julia Dreyer gearbeitet. Tipp: Haltet Euch wirklich genau an die Anleitung, dann kann nichts schief gehen. Vor allem näht die Teile genau in der Reihenfolge zusammen, wie im Buch angegeben – die Autorin hat sich schon etwas gedacht dabei! Neben der detaillierten Anleitung für das selbstgenähte Hobby Horse finden sich darin auch clevere Anleitungen zur Herstellung des gesamten „Zubehörs“ – Satteldecke, Zaumzeug, Fliegenschutz für die Ohren und sogar ein Stall -also alles, was das Pferdemädchenherz begehrt. Sehr authentisch aussehenden Stoff (100% Polyester, heute würde ich mir Gedanken um eine nachhaltigere Alternative machen) bekommt man bei Kullaloo. Hier gibt es auch Materialpakete und kostenlose Anleitungen.

Irgendwann kam der Wunsch auf, Bella ein Einhorn-Horn zu verpassen. Davon steht allerdings nichts im schlauen Buch. Eine schnelle Internet-Recherche ergab, dass die meisten dieser Hörner am Zaumzeug befestigt werden. Das kommt für mich nicht in Frage – hat denn schonmal jemand in freier Wildbahn ein Einhorn mit Zaumzeug gesehen? So beschloss ich, das Horn mittels Sicherheitsnadeln am Pferdekopf zu befestigen. Denn wenn es Bella nichts ausmacht, auch mal wochenlang ohne Futter und Bewegung in der Ecke zu stehen (ein weiterer Vorteil gegenüber dem echten Pferd!) machen ihr die paar Piekse auch nichts aus. Und wer das nicht glauben will, der ziehe seinem Einhorn halt wieder ein Zaumzeug an!

Knäuel bunte Wolle mit Nadelspiel und angeschlagenem Strickwerk

Das Horn besteht aus einem Rest Sockenwolle – hier: Regia Design Line Langfjordbotn* und wurde mit einem Nadelspiel in Stärke 2 vom „Ansatz“ zur „Spitze“ gestrickt. Für die Grundfläche habe ich einen Pi-Kreis gestrickt. Dafür beginnt man mit 8 Maschen (also zwei pro Nadel) und strickt die erste Runde normal. In der zweiten Runde wird die Maschenanzahl verdoppelt: *1 M aus Querfaden aufnehmen und re verschränkt stricken, 1 M stricken, ab * wiederholen bis die Runde beendet ist (= 16 M) Zwei Reihen glatt rechts stricken, dann auf 32 M verdoppeln. 4 M stricken und auf 64 verdoppeln. Jetzt wäre nach 8 M die nächste Verdoppelung dran, aber wir wollen ja in die höhe in nicht in die Weite. Also stricken wir 20 R glatt rechts und es wird sich von selbst eine kleine Wölbung ausbilden. Jetzt wird abgenommen: * 2 M gl re, 2 M zusammen, ab * wiederholen (=48 M in der Runde). Nach sechs Reihen wird von 48 auf 36 abgenommen. Nach weiteren vier Reihen wird von 36 auf 18 abgenommen. Jetzt muss das Horn gefüllt werden (ich habe abgeschnittene Garnreste verwendet, die schimmern so schön durch den Strick durch – zu diesem Zweck hebe ich alle abgeschnittenen Garnreste in einem eigenen Schraubglas auf), dann kommen nochmal zwei Reihen drauf und es wird auf 8 M abgenommen. Jetzt wird der Faden abgetrennt (etwa 15 cm überstehen lassen), doppelt durch jede der noch übrigen Maschen gezogen, verknotet und vernäht. Auch die Anschlagsfäden müssen vernäht werde, so sie nicht schon auf der Innenseite waren. Die „Drehung“ des Horns habe ich mit Garn in Kontrastfarbe aufgestickt.

Dann kann das Horn vorsichtig an der Stirn des Hobby Horses befestigt werden (wir benutzen Sicherheitsnadeln, um das Einhorn schnell wieder in ein Pferd verwandeln zu können) und Ihr könnt eine magische Zeit mit Eurem Einhorn erleben!

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